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Spazierengehen ist in diesen Zeiten “IN” | Auf den Spuren Johann Gottfried Seumes im Jahre 1802

Hätte ich ihm nun die reine platte Wahrheit gesagt, daſs ich bloss spazieren gehen wollte, um mir das Zwerchfell aus einander zu wandeln…

Ich zog nun an den Bergen hin, die rechts immer gröſser wurden, dachte so wenig als möglich, denn
viel denken ist, zumahl in einer solchen Stimmung
und bey einer solchen Unternehmung, sehr unbequem, und setzte gemächlich einen Fuſs vor den andern immer weiter fort…

Ich wusste keinen Schritt Weg, und es war durchaus keine Bahn. Einige Mahl lief ich den Morgen noch im Finstern unten im Thal zu weit links, und musste durch Verschläge in dem tiefen Schnee die grosse Strasse wieder suchen…

Auf den Wiesen zu finden ist die wunderschöne Wilde Malve, Malva sylvestris. Die alte Heilpflanze heißt auch  Große Käsepappel und Rosspappel Käsepappel wegen der käselaibförmigen, schleimhaltigen Früchte, aus denen früher der Papp, ein Kinderbrei zubereitet wurde.

Hier will ich einige Tage bleiben und ruhen; die
Stadt und die Leute gefallen mir. Du weiſst, daſs
der Ort auf den beyden Seiten der Murr sehr angenehm liegt; und das Ganze hat hier überall einen Anblick von Bonhommie und Wohlhabenheit, der sehr behaglich ist…

Spazierengehen in Coronazeiten ist “IN”

Leipziger Wiesen entdecken…

Wer geht sieht mehr als wer fährt.

Eine beachtliche Leistung, 7000 km zu Fuß nach Syrakus

Wer geht, sieht mehr als er fährt, schrieb der berühmteste Spaziergänger seiner Zeit Johann Gottfried Seume (1763 – 1810). Recht hat er! Der deutsche Schriftsteller aus Sachsen, unternahm 1801/02 seine Fußreise nach Sizilien, nachzulesen im “Spaziergang nach Syrakus”. Er besuchte die Dorfschule und die Lateinschule in Borna, von 1776 bis 1777 war er Schüler an der traditionsreichen Leipziger Nikolaischule. Seume studierte 1780/81 an der Universität Leipzig Theologie, von 1789 bis 1792 Jura, Philosophie, Philologie und Geschichte. „…Zum Lobe meines Schuhmachers, des mannhaften alten Heerdegen in Leipzig, muß ich Dir noch sagen, daß ich in den nämlichen Stiefeln ausgegangen und zurückgekommen bin, ohne neue Schuhe ansetzen zu lassen, und daß diese noch das Ansehen haben, in baulichem Wesen noch eine solche Wanderung mitzumachen.“ 

Buchtipp

Die Gegenwart ist die Blüthe der Vergangenheit. Was Wunder also, wenn die Kinder der Gegenwart sich nach dem Stamm und den Wurzeln derselben, nach der Vergangenhei, umschauen? Dieses dem Menschen innewohnende Streben, die Vergangenheit namentlich der Stätte, die er seine, wenn auch nur zeitweilige, Heimath nennt, zu erkunden, ist ebenso natürlich als wahr.

Leipzig in seiner Vergangenheit und Gegenwart
Eine Darstellung sämtlicher Denkwürdigkeiten der Stadt Leipzig in ihren äußeren und inneren Verhältnissen
Verlag Gustav Brauns (Ritterstrasse, großes Fürstencolleg)
Leipzig, 1847

Nachdruck der Connewitzer Verlagsbuchhandlung 1996