Grau mit viel braun und wenig weißen Federn,

Das Männchen auf der Brust mit schwarzem Fleck,

Sie leben unter Palmen, Fichten, Zedern,

Und auch in jedem Straßendreck.

In Ingolstadt und in der City Boston.

Am Hoek van Holland und am Goldnen Hörn.

Ist überall der Spatz auf seinem Posten

Und fürchtet nicht des Schöpfers Zorn.

Inmitten schwarzer Dschungeln von Fabriken

Und todgeladner Drähte Kreuz und Quer sieht man die Spatzen flattern, nisten, brüten, mausern, picken,

Als ob die Welt ein Schutzpark war!

Es stört sie nicht der Lärm der Transmissionen

Und keineswegs das Tempo unsrer Zeit

Sie leben seit Äonen

Wo sie der Himmel hingeschneit.

Als Jesus über Gräser, Zweige, Bäumen Eintritt, und alle Hosianna schrien,

Da pickt’ ein Spatz gemächlich gelbe Krumen

Aus dem noch warmen Mist der weißen Eselin.

Herr gib uns Kraft und Mut wie Deinen Spatzen,

Mach unser Leben ihrem Rinnstein gleich.

Dann mag wer will von edlern Tauben schwatzen,

Denn unser ist Dein gutes Erdenreich.

Von Carl Zuckmayer

Als Dramatiker weltberühmt, ist weniger bekannt, das Carl Zuckmayer auch Gedichte schrieb. Zuckmayer wurde am 27. Dezember 1896 geboren. Zuckmayers Stücke dürfen in der NS-Zeit nicht aufgeführt werden. Wegen seiner jüdischen Abstammung emigriert er schließlich 1938 in die Schweiz und dann in die USA. Er starb am 18. Januar 1977 mit 80 Jahren in Visp/Schweiz. Bekannte Werke des Dramatikers sind u.a. “Der Hauptmann von Köpenick“ (1931) und „Des Teufels General“ (1946).

Der Haussperling (Passer domesticus), englisch: House Sparrow, französisch: Moineau domestique, ist auf der Liste bedrohter Arten gelandet. Früher überall präsent, findet er heute häufig keine Brutstätte mehr und der Bestand ist in den letzten 40 Jahren stark geschrumpft. Der Radau ganzer Sperlingsschwärme ist nur noch selten zu hören.

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„ Sperling“ ist aus dem althoch deutschen Wort „ sparo“ abgeleitet, das vermut lich mit dem indogermanischen „spar“ (zappeln) zusammenhängt . Bekannt ist der Vogel aber vor allem als „Spatz“. Dazu tragen die Versiegelung der Böden, der Einsatz von Pestiziden, moderne Betonklötze ohne Nischen und Spalten bei, die Spatzen finden keine Nahrung und Nistplätze. Mit dem Spatz vor der Haustür fängt Vogelschutz an.

Die drei Spatzen

In einem leeren Haselstrauch,
da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch.

Der Erich rechts und links der Franz
und mittendrin der freche Hans.

Sie haben die Augen zu, ganz zu,
und obendrüber, da schneit es, hu!

Sie rücken zusammen dicht an dicht.
So warm wie der Hans hat’s niemand nicht.

Sie hör’n alle drei ihrer Herzlein Gepoch.
Und wenn sie nicht weg sind, so sitzen sie noch.

Von Christian Morgenstern (1871-1914)